Wintipps 07/2018

E-Gitarrenbau

Worum geht’s?

In einem zweiwöchigen Kurs, das bedeutet in über 80 Arbeitsstunden, bauten wir bei Schär Gitarrenbau in Andeer GR unsere individuellen E-Gitarren. Dies in einer raffiniert eingerichteten Werkstatt. Jeder von uns hatte andere Vorstellungen von seinem individuellen Instrument. Aus dem Kanton Zürich kam Beat angereist, aus München Andreas und ich aus dem nahegelegenen Trimmis. Links die Gitarre von Beat, rechts die von Andreas und in der Mitte meine. Unser Kursleiter, Claudio Schär, hat uns ganz toll unterstützt! Wenn wir vor einem unlösbaren Problem standen, hat er uns mit seinen Tricks 01 bis unendlich stets weiterhelfen können (so beispielsweise bei mir, einen abgebrochenen Bohrer wieder aus dem Holz zu befreien).

und so lief's!

Ich möchte hier den Entstehungsprozess meiner Strat beschreiben: Nach der Kursanmeldung vereinbarten wir einen Termin, um die Hölzer und die elektromechanischen Bauteile auszuwählen.

Nach der Qual der Wahl: ich entschied mich für Eschenholz und vorwiegend Fender-Bauteile, danach bereitete Claudio die Gitarrenkörper, Hälse und das Einschneiden der Bünde bei den Griffbrettern für uns vor. Hätten wir das selber machen müssen, hätte der Kurs viel, viel länger gedauert.

1. Tag

Hier geht es darum, die Nut für den Halsspanner, die Löcher für die Mechanik und die Form des Kopfes zu erarbeiten. Der Gitarrenkörper ist noch ein wohlgeformter Holzklotz. Dann wird das Griffbrett roh auf den Eschenhals aufgeleimt.

2. Tag

Der Hals muss nun auf seine griffige Form gebracht werden und im Korpus werden mit der Oberfräse die Einbautaschen für die Elektronik ganz sorgfältig eingefräst. Auch die Kopfabdeckung aus Ebenholz wird an diesem Tag angefertigt.

3. Tag

Alle Taschen werden auf die definitive Tiefe ausgefräst und die Abplattungen am Korpus roh erstellt. Stufenweise, wie Höhenkurven gefräst und dann gehobelt. Dies vorne und hinten. Bohrungen für Hals und Saiten dürfen jetzt auch nicht mehr fehlen.

4. Tag

Nun geht es darum, das Griffbrett auf den richtigen Radius zu schleifen, bei meiner sind das 10'' und dann die Bünde aus Neusilber vorzubiegen und einzupressen. Tönt einfach, ist aber gar nicht so leicht. Dann alles abrichten mit den eingepassten Bünden.

5. Tag

Der Korpus wird fein geschliffen und der Hals angepasst. Sieht schon einmal fast nach Gitarre aus!

6. Tag

An diesem Tag bin ich ausschliesslich am Schleifen und Verfeinern einzelner Teile und schaue immer wieder, ob denn auch alles passt!

7. Tag

Da meine Arbeit recht gut voranging, kann ich an diesem Tag meine alte Strat renovieren. Das bedeutet, die Bünde neu abrichten (viel schleifen), den Hals neu einstellen und die Intonierung, sowie die Pickup-Einstellungen neu definieren. Sie tönt wieder super, meine Lady in Black!

8. Tag

Jetzt geht es um die Elektronik. Genau nach Fender-Plan müssen die Bauteile verlötet werden. Das ist eine anspruchsvolle Arbeit. Erstens keine falschen Verbindungen und zweitens keine „kalten" Lötstellen. Dann ab mit der Arbeit auf den Verstärkertest! Funzt! Alle Taschen müssen nun mit Kupferfolie ausgekleidet werden. Das dient zur Abschirmung der elektromagnetischen Wellen, die von den Pickups herrühren.

9. Tag

Wir löten, schleifen, testen an der Elektronik. Alles scheint gut!

10. Tag

Jetzt kommt aber Hammer auf Hammer. Ich montiere die Saiten und habe zum Stimmen „null" Signal! Wir gehen auf Fehlersuche: Input-Jack ok, Ground bad (Kurzschluss bei 5-Way-Switch), Volume bad (kalte Lötstelle). Claudio hatte das eins-zwei raus und liess meine Strat nicht allzuleise ertönen! Und dann noch die super Session mit den drei Gitarren. Die Nachbaren in Andeer mögen uns den Soundcheck verzeihen!

Fazit

Der Gitarrenbaukurs war sehr kompetent geleitet durch Claudio Schär. Das Individuelle in der Werkstatt, die Einrichtung, Besucher und Freunde, die stets reinschauen durften, empfand ich als sehr offen. Ich danke euch von Herzen Cecilia, Werner und Claudio! | Peter
Zum Abschluss noch ein Gruppenbild und einige meiner Strat.








Video Gitarrenbau

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